Die 1. Männer holen ihre ersten Punkte-Spielbericht

LANDESLIGABESIEGER

Trotz verpatztem Saisonstart den amtierenden Klassenprimus besiegen? Wie das denn? Ehrlich gesagt, wir wissen es auch nicht so recht. Zwei Punkte aus einem weitgehend fehlerhaften Spiel mitzunehmen, ist jedoch schon auch mal in Ordnung. Aber der Reihe nach…

Nachdem die ersten beiden Partien dank schwacher Chancenverwertung und zumeist nachlässiger Abwehr unnötigerweise hergeschenkt wurden, wollten wir nun am Sonntagnachmittag auch endlich so richtig in der Landesliga ankommen und die ersten Punkte einfahren. Allerdings erwarteten wir in eigener Halle keinen geringeren Gegner als den Landesligameister der vergangenen Saison. Dass die Aufgaben also nicht leichter werden, war allen klar. Dennoch wollten wir uns nicht verstecken und zeigen, dass wir in diese Liga gehören.

Vor der Erwärmung schickten wir noch den ehrenamtlichen Putztrupp (im Volksmund auch 1. Männermannschaft der SG AC/Eintracht genannt) durch die Halle und schon konnte es losgehen.

 

Zunächst war nicht wirklich zu sehen, ob eines der beiden Teams auf dem frisch gereinigten Hallenboden ausrutschen und es dem Gegner leichtmachen würde. Stattdessen fielen hier und da leichte Tore, gepaart mit technischen Fehlern und guten Abwehraktionen auf beiden Seiten blieb die Partie im ersten Sechstel sehr ausgeglichen (5:4). Auch die nächsten Minuten waren geprägt von 1:1-Situationen unserer Angriffsreihe und schnellem Stoßen der Gäste. Beides führte mäßig zum Erfolg, nach 14 Sechzigteln stand es 6:6.
In der Folge schafften es die Schöneberger, für ihre Friedenauer Kumpels immer wieder gut anzustoßen und uns im 1:1 alt aussehen zu lassen. Besonders auf den Halbpositionen wurden dabei zu viele Situationen verloren, aber auch der junge Mittelblock fand nicht so richtig ins Spiel. Auf der anderen Spielhälfte waren wir weiterhin bemüht, mit Auslösehandlungen Druck auf die Abwehr auszuüben, bevor der Ball den Weg auf das Tor fand. Leider zeigte sich auch hier wie schon in den Wochen davor, dass gegnerische Torhüter für uns noch kein Nichtfaktor im Kopf sind. Anders lässt sich nicht erklären, dass wir erneut viele Chancen liegen beziehungsweise gegen die Arme und Beine des OSF-Goalies prallen ließen. Der Kontrahent seinerseits netzte zuverlässig ein und zog so langsam aber sicher davon (7:9, 9:12). Unser Spiel wurde fahrig; wenig durchdachte Angriffe schlossen wir zumeist aus schlechten Wurfpositionen ab oder ließen den Ball nicht schnell genug laufen, um Lücken zu finden. Halbzeitstand: 11:15 aus unserer Sicht.

 

In der Kabine beharrte der Übungsleiter auf seinem Mantra, wieder ein schnelles Spiel sowie kluge Abschlüsse sehen zu wollen. Abstimmungsprobleme in der Abwehr wurden angesprochen und vor allem die Chancenverwertung war mal wieder ein großes Thema. Hierzu eine jetzt schon erinnerungswerte Prophezeiung des ÜL:
„Was den Torhüter angeht, müssen wir mal ein bisschen besser hingucken. Gut, der wird jetzt bestimmt gewechselt, sodass er eher weniger halten wird und ich dazu nichts mehr sagen muss. Aber: Der andere ist ja auch ein Torhüter!“

 

Gesagt, getan? Denkste. Die zweiten 30 Sechzigsekünder begannen, wie die letzten aufgehört hatten. Vorn ein technischer Fehler nach dem anderen, hinten ein zu zaghafter Innenblock. Im Angriff weiterhin falsche Wurfentscheidungen und verworfene 90-prozentige Chancen (übrigens startete der gleiche TW nochmal). Auf der anderen Seite zielstrebige Schönebergfriedenauer, die ein ums andere Mal unsere alleinstehenden Abwehrspieler im 1:1 vernaschten und lässig einklinken konnten. Folgerichtig stand nach 39 Minuten ein 7-Tore-Rückstand auf der Anzeigetafel (15:22).

Was allerdings nun geschah, kann sich niemand so richtig erklären. Plötzlich ließ uns der Gast gewähren, einfache Tore unsererseits und leichtfertig vergebene Angriffe der anderen Trikotträger ließen uns Stück für Stück herankommen. So richtig änderte sich unsere Mentalität zwar nicht, aber weitere Ballverluste und Fehlwürfe von drüben ließen uns langsam daran glauben, dass hier noch nicht aller Tage Morgen war und wir das Kind vielleicht noch aus dem Brunnen ziehen könnten.

Die Südberliner wirkten lustlos und nachlässig, schien der Drops schließlich schon gelesen und die Messe gelutscht zu sein. Wir nutzten die uns angebotenen Löcher im gegnerischen Abwehramont und netzten ein ums andere Mal ein. Sowohl leichte Tore aus dem Rückraum als auch gute 1:1-Situationen führten in dieser Phase zum Erfolg. Weil OSF anscheinend nicht mehr so richtig wollte, nahmen wir dann eben das Heft in die Hand und starteten mal eben einen 5:0-Lauf bis zum 25:25 (49. Minute). Innerhalb von 10 Minuten hatten wir es also geschafft, die Partie wieder komplett auf den Kopf zu stellen. Nach 8 torlosen Minuten in Folge entschieden sich die Gäste dann doch nochmal dafür, ein bisschen mitzuspielen. Sie gingen fortan immer wieder mit einem Tor in Führung, bevor sie jedes Mal prompt die Antwort zum erneuten Ausgleich bekamen. Einmal Siegesluft geschnuppert, wollten wir, anders als noch in der Woche zuvor, nun auch die möglichen zwei Punkte mitnehmen und begannen, so etwas wie Aufwand zu betreiben. Das nötige Glückchen Quant war dann auch auf unserer Seite, der amtierende Meister wurde nervös und warf einige Bälle ins Nirgendwo, wir konnten schnelle Angriffe fahren und wurden letztlich belohnt. Als dann ein Gast schon vor dem Abpfiff duschen gehen wollte und wir in Überzahl unclever aber erfolgreich abschlossen, war allen klar: Die Punkte bleiben heute hier! Die letzte Minute verstrich ohne weitere Bemühungen und wir jubelten über unseren Wie-auch-immer-Heimsieg. Endstand: 34:31.

 

Was lässt sich mitnehmen aus dem Spiel?
Direkt nach dem Spiel bei vielen Beteiligten erstmal ein großes Fragezeichen, waren wir doch eigentlich nicht gerade spielbestimmend oder gar wirklich überzeugend. Die mittlere Halbestunde war unterirdisch und von Fehlern in Abwehr und Angriff übersät. Die folgende Aufholjagd irgendwie auch nicht so richtig berauschend. Trotzdem:
Wer 7 Tore aufholt und am Ende als Sieger vom Platz geht, muss irgendwas richtig gemacht haben. Man könnte auch andersherum sagen: Wer so hoch zurückliegt, hat irgendwas falsch gemacht. Mut darf uns also vor allem die letzte Viertelstunde machen. Wenn wir es schaffen, ganze 60 Minuten am Stück „konzentriert zu Werke zu gehen“ und mal nicht den gegnerischen Torhüpfer berühmt werfen, sind wir in der Lage, mit allen Mannschaften dieser Liga mitzuhalten.

 

Die Chance, das zu zeigen, bietet sich bereits am kommenden Sonntag, wenn wir im beliebten Gatow auf unsere alten Freunde aus Spandau treffen. Anpfiff dort ist um 17 Uhr.